Die Krankheit
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Die Krankheit - Hintergrundwissen - Was verbirgt sich hinter der Niemann-Pick Erkrankung ?
Niemann-Pick Typ A und B (Gendefekt Chromosom 11)
beruhen auf ein Mangel der Aktivität eines Enzyms. Dieses Enzym – Sphingomyelinase genannt – befindet sich normalerweise in einer speziellen Untereinheit der Zelle. Wenn das Enzym fehlt oder unzureichend funktioniert, kann Sphingomyelin nicht richtig abgebaut werden und sammelt sich in der Zelle an. Dies führt zu Änderungen der Zellfunktion und beeinträchtigt die Funktion von Leber, Milz, Lunge und des zentralen Nervensystems. Obwohl Typ A und B durch denselben Enzymmangel verursacht werden, ist die Verlaufsform für diese beiden Gruppen sehr unterschiedlich. Typ A ist eine schwere neurologische Erkrankung, die gewöhnlich innerhalb von 2 bis 5 Jahren zum Tod führt. Betroffene mit Typ B haben wenig oder keine neurologischen Beschwerden und können bis ins späte Erwachsenenalter überleben.
Niemann-Pick Typ C (Gendefekt Chromosom 18)
Unterscheidet sich biochemisch eindeutig von Typ A und B. NP-C ist eine vererbte Stoffwechselstörung, die durch einen Defekt des Transportes (von zugeführtem Cholesterin und anderen Stoffen) in der Zelle gekennzeichnet ist. Dabei kommt es zur Anhäufung von unverestertem Cholesterin und anderen Stoffwechselprodukten. Kinder oder Jugendliche fallen durch Entwicklungsstillstand und Verlust von erlernten Fähigkeiten auf, Erwachsene durch Depressionen.
Hintergrundwissen - Die Krankheit
Albert Niemann, ein deutscher Pädiater, beschrieb 1914 einen Patienten mit einem bis dahin unbekannten Krankheitsbild.
Der Säugling jüdischer Abstammung litt an einer massiven gleichzeitigen Milz- und Lebervergrößerung (Hepatosplenomegalie) und einer rasch fortschreitenden neurodegenerativen (griechisch néuro = "Nerv[en]" und lateinisch degenerare, "aus-" oder "entarten") Erkrankung, die im Alter von 1 ½ Jahren zu seinem Tod führte.
Obwohl Niemann diese Erkrankung klar vom Morbus Gaucher differenzierte, wurden später viele Patienten mit früher neurologischer Manifestation als eine Variante des M. Gaucher klassifiziert.
Erst 1927 stellte Ludwig Pick nach gründlicher Überprüfung der Krankenakten fest, dass es sich bei diesen Patienten um ein eigenständiges Krankheitsbild handelte. Er nannte diese Erkrankung Morbus Niemann-Pick (NPD).
Die Einteilung der NPD erfolgt nach dem klinischen Erscheinungsbild in vier Gruppen A-D. Eine biochemische Differenzierung anhand der sauren Sphingomyelinase-Aktivität konnte sich nicht durchsetzen.
Beim klinischen Typ A handelt es sich um eine schwer verlaufende neuroviszerale (neurologische Innenorgangbeteiligung) Erkrankung, die schon im Kindesalter tödlich endet.
Der Typ B unterscheidet sich hiervon durch eine spätere Organmanifestation, das Fehlen neurologischer Symptome und das Erreichen des Erwachsenenalters.
Bei Typ C NP-Patienten findet man eine frühe Gelbfärbung der Haut (prolongierten Neonatalikterus), eine mild ausgeprägte Milz- und Lebervergrößerung (Hepatosplenomegalie) und eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung.
Die Typ-D-Erkrankung zeigt einen ähnlichen klinischen Verlauf wie der Typ C, wird aber aufgrund ihres regional begrenzten Vorkommens von diesem abgegrenzt. Morbus Niemann-Pick Typ C ist derzeit ins Interesse wissenschaftlicher Forschungen gerückt.
Bei dieser Erkrankung kommt es bei Trägern der APO E4-Variante zur Bildung von diffusen Plaques und Neurofibrillen,
und damit ähnlichen neuropathologischen Veränderungen wie bei der Alzheimer Krankheit. Man hofft durch die Erforschung der Niemann-Pick C Krankheit weitere Erkenntnisse zu erhalten, die für das Verständnis der pathophysiologischen Mechanismen bei der Alzheimer-Krankheit wesentlich sind. In Tiermodellen hat man zeigen können, dass Defekte im zellulären Cholesterin-Transport zu einer vermehrten Amyloid-beta-Produktion und zu einer Phosphorylierung des Tau-Proteins führen. Diese chemischen Prozesse sind die Voraussetzung für die Entstehung der Plaques und Neurofibrillen.
Wenn bei Kindern NPC diagnostiziert wird, müssen die Eltern lernen, dass ihre Kinder irgendwann daran sterben müssen - aber nicht heute. Wir alle hoffen auf ein medizinisches Wunder, doch müssen wir realistisch bleiben und den Tatsachen ins Auge sehen. So sehr sich Eltern auch auf den Tod ihres Kindes vorbereiten, der Tod wird immer zu früh kommen. Wenn es jedoch soweit ist, müssen Entscheidungen in einer Zeit der Trauer und des großen persönlichen Stresses getroffen werden. Deshalb sollten wir uns, soweit wir uns in der Lage sehen, auf die Aufgaben vorbereiten, die bei einem Sterbefall auf uns zukommen - aber nicht heute.
